Mit dem WebserienBlog dokumentieren wir die deutschsprachige Webserienlandschaft und ausgewählte internationale Webserien [mehr über das Projekt].

Über uns

Mit dem WebserienBlog dokumentieren wir seit August 2012 die deutschsprachige Webserien-Landschaft sowie seit Sommer 2014 eine Auswahl wichtiger internationaler englischsprachiger Webserien. Demnächst sollen auch Akteure und Portale auf dem Webserien-Markt vorgestellt werden.

Umfang des WebserienBlogs

 

Die Webserien-Landschaft ist unübersichtlich und schnelllebig: Was heute aktuell ist, wird morgen aus dem Netz genommen. Was heute als Projekt veröffentlicht wird, wird morgen wegen ungeklärter Urheberrechtsfragen gesperrt. Was heute als neues Vermarktungskonzept einer etablierten Medienseite angepriesen wird, geht morgen schon gescheitert offline. Diesen Umständen zum Trotz versuchen wir, alle im deutschsprachigen Raum auffindbaren Webserien zu erfassen. Auch Serien, die nicht mehr online sind, haben wir anhand der Spuren, die sie im Netz hinterlassen haben und anhand der Quellen, die wir recherchieren konnten, so gut wie möglich nachvollzogen (selbstverständlich mit dem Hinweis versehen, dass wir sie nicht sichten konnten). So konnten wir uns sukzessive zu den Wurzeln der deutschsprachigen Webserien vorarbeiten. Viele andere Serien, die wir für das Webserien-Blog sichten konnten, sind mittlerweile ebenfalls nicht mehr im Netz zu finden, sodass das WebserienBlog auch die Funktion einer Chronik erfüllt. 

Hinzu kommt eine zunehmend größer werdende Auswahl bedeutender englischsprachiger Webserien (mit dem Label [ENG] gekennzeichnet). Die englischsprachige Webserien-Landschaft ist zu groß, als dass wir sie in vollem Umfang abbilden könnten. Stattdessen ist es unser Anliegen, einige aus unserer Sicht wichtige Vertreter englischsprachiger Webserien aufzuführen, um über den ‚Tellerrand‘ zu blicken und somit den Einfluss zu berücksichtigen, den internationale Entwicklungen auch auf das deutschsprachige Webserien-Angebot haben.

Die Sammlung an Webserien wird fortlaufend aktualisiert. Falls wir eine deutschsprachige Webserie übersehen haben, freuen wir uns über einen entsprechenden Hinweis per E-Mail (an markus.kuhn[at]uni-hamburg.de).

Was sind Webserien? Definition und Grenzbereiche

 

Der Blog basiert auf folgender Arbeitsdefinition für Webserien:
Webserien sind audiovisuelle Formen im Internet, die sich durch Serialität, Fiktionalität und Narrativität auszeichnen und die für das Web als Erstveröffentlichungsort produziert worden sind. (Kuhn 2012)
Diese Arbeitsdefinition eröffnet ein breites Feld. Der produktionsorientierte Aspekt der geplanten Erstveröffentlichung im Netz soll das Feld der Webserie von Fernsehserien abgrenzen, die auch online gezeigt oder angeboten werden. Serien, die sowohl für das Fernsehen als auch für das Internet produziert worden sind, fallen aus dem engeren Feld der Webserien heraus, ebenso wie für das Fernsehen produzierte Serien, die dort abgesetzt worden oder nie gelaufen sind und stattdessen ins Netz gelangt sind. Beide bilden einen Grenzbereich, der für eine genauere Beschäftigung mit Webserien sicherlich zu berücksichtigen wäre.

Einen noch wichtigeren Grenzbereich bilden Serien, die auf Video-on-Demand-Portalen wie z. B. Netflix erstveröffentlicht werden, später aber auch ins Fernsehen gelangen und/oder auf DVD- oder Blu-ray veröffentlicht werden. Häufig ähneln diese auch in ihrer dramaturgischen Struktur und ästhetischen Gestaltung zeitgenössischen Fernsehserien. Dies wirft umgekehrt die Frage auf, ob sich in diesen Serien noch spezifische Einflüsse der Medienumgebung Internet nachweisen lassen. Prominentestes englischsprachiges Beispiel dafür ist zurzeit sicherlich die Serie House of Cards, die wir exemplarisch mit in das WebserienBlog aufnehmen. Diesen Grenzbereich werden wir auch in Zukunft beobachten. Auf dem Feld der deutschsprachigen Webserien-Produktionen spielt dieser Grenzbereich zurzeit noch keine Rolle.

Nicht heraus fallen dagegen Webserien, die als begleitende Formate bzw. Paratexte oder transmediale Erweiterungen zu Fernsehserien produziert worden sind. So findet sich das begleitende Prequel Der letzte Bulle – Wie alles begann (zur Sat.1-Serie Der letzte Bulle) genauso wie die Webserie LOST: Missing Pieces (zu ABC's legendärer TV-Serie Lost).

Webserie, Webisode, Mobisode: zur Terminologie

 

Analog zu Fernsehserien werden die einzelnen Folgen einer Webserie als Folgen oder Episoden bezeichnet, die einzelnen Staffeln als Staffeln oder Seasons. Im Netz werden die einzelnen Folgen von Webserien uneinheitlich bezeichnet, z.B. als Webisodes (abgeleitet von web und episode) oder Mobisodes (von mobile und episode als Hinweis auf die intendierte Rezeption mittels mobilen Geräten wie Smartphones). Gelegentlich wird der Begriff Webisode oder – im Plural – Webisodes auch für die gesamte Webserie, also zur Bezeichnung aller Folgen/Episoden benutzt. Gebräuchlich ist auch der Ausdruck Websoap. In vielen Fällen lässt sich allerdings nicht von einer Soap im engeren Sinne sprechen, wie zum Beispiel bei Pietshow oder They Call Us Candy Girls. Dasselbe gilt für den Begriff Handysoap. Auch Bezeichnungen wie Online-Serien, Netz-Serien und Internet-Serien finden sich ohne klare Begriffsdefinitionen.

Genres

 

Die Zuschreibung von Genrekategorien zu den gesammelten deutsch- und englischsprachigen Webserien erfolgt von uns inklusiv und inklusionistisch, d. h., wir gehen von einem breit gefassten kommunikativen Genrebegriff aus. Zum Teil sind die Genres der einzelnen Webserien durch die jeweiligen Produzenten oder Portale vorformuliert, zum Teil sind sie Ergebnis unserer Recherche und der Zuordnung anhand bestimmter Konventionen. Kategorien wie etwa „Comedy“ oder „Mystery“ sind also nicht als wissenschaftlich-analytische Genrebegriffe zu verstehen, sondern sollen eine erste grobe Kontextualisierung und Klassifikation der jeweiligen Webserie ermöglichen. Insofern verwenden wir auch Begriffe, die nach einem medienwissenschaftlichen bzw. medienanalytischen Verständnis möglicherweise nicht als Genre definiert würden (z. B. „Dokumentation“ oder „Mockumentary“).

Hamburg, im August 2012 und im Januar 2017
Markus Kuhn (Hg.)


Referenz:
Kuhn, Markus (2012): "Zwischen Kunst, Kommerz und Lokalkolorit: Der Einfluss der Medienumgebung auf die narrative Struktur von Webserien und Ansätze zu einer Klassifizierung", in: Nünning, Ansgar/Rupp, Jan/Hagelmoser, Rebecca/Meyer, Jonas Ivo (Hgg.): Narrative Genres im Internet. Theoretische Bezugsrahmen, Mediengattungstypologie und Funktionen. Trier: WVT, S. 51–92.

Markus Kuhn (2014):  „Web Series between User-Generated Aesthetics and Self-Reflexive Narration: On the Diversification of Audiovisual Narration on the Internet“, in: Alber, Jan/Hansen, Per Krogh (Hgg.): Beyond Classical Narration: Transmedial and Unnatural Challenges, Berlin/Boston: de Gruyter, S. 137-160.   

Markus Kuhn (2015): „Die WG im Netz: Deutschsprachige Webserien-Genres im Spannungsfeld kultureller und medialer Transformationsprozesse“, in: Ritzer, Ivo/Schulze, Peter W. (Hgg.): Transmediale Genre-Passagen. Interdisziplinäre Perspektiven, Wiesbaden: Springer VS, S. 431-459.



(weitere Hinweise: s. Impressum)