Mit dem WebserienBlog dokumentieren wir die deutschsprachige Webserienlandschaft und ausgewählte internationale Webserien [mehr über das Projekt].

Familie Braun

Handlung

Kai Braun und Thomas Stahl sind Neonazis, die gemeinsam in einer Plattenbauwohnung in Berlin leben und in ihrer Freizeit gern Hakenkreuze auf Windschutzscheiben sprühen, die Bevölkerung mit einem Hitlergruß provozieren und grundsätzlich sinnlos in der Gegend rumpöbeln. Eines Tages steht die dunkelhäutige sechsjährige Lara vor ihrer Tür. Im folgenden stellt sich nicht nur heraus, dass Kai Laras Vater ist, sondern soll der junge Neonazi fortan auch noch die Erziehung des Kindes übernehmen, weil Laras Mutter aus Deutschland abgeschoben wird.

Anmerkung

Diese Webserie – produziert fürs ZDF unter Mitarbeit von YouTube-Stars LeFloid, Doktor Froid und Space Frogs – feierte ihre Premiere im Kino Babylon und war kurz danach auf YouTube und in der ZDF-Mediathek frei verfügbar. Laut SPIEGEL wurde die erste Folge nach nur vier Tagen mehr als 30.000 Mal geklickt. Tatsächlich versucht das ZDF mit diesem Projekt die YouTube-Zielgruppe zu erreichen und setzt dabei auf hippe YouTube-Kreative und ihre Social-Media-Communities. Wie kaum bei einer anderen deutschen Webserie war daher auch das Interesse der Presse entsprechend groß. Die Pressestimmen sind dabei allerdings alles andere als positiv ausgefallen. So wird die Serie beispielsweise als „geschmackslos und realitätsfern“ (vgl. ZEIT ONLINE) beschrieben und die beiden Hauptfiguren – als „Witzfiguren (…), zumal man ihnen die rechtsradikale Mentalität keine Sekunde abnimmt“ (vgl. FAZ).

Hinter dieser Kritik steckt teilweise auch die Gretchenfrage, die sich bei einer derartigen Thematik fast automatisch stellt: Darf man sich über Nazis überhaupt lustig machen? Verharmlost die komödiantische Bearbeitung dabei nicht ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem? Zumindest die Presse scheint sich diesbezüglich weitgehend einig zu sein: Natürlich darf man das, aber dann muss es eben „originell und lustig sein“ (vgl. Stern). Tatsächlich beweisen gelungene Beispiele aus der Filmgeschichte wie etwa „The Great Dictator“ von Charlie Chaplin oder „To Be or Not To Be“ von Ernst Lubitsch, dass Ernsthaftigkeit, Humor und Sarkasmus sich bei der Beschäftigung mit dem Thema Rechtsradikalismus nicht ausschließen müssen. Zugegebenermaßen ist es alles andere als fair, eine Webserie wie „Familie Braun“ mit Meisterwerken der Filmgeschichte zu vergleichen. Amüsant ist die Serie dennoch, auch wenn sie insgesamt etwas vorhersehbar ist und die Figuren ihre nationalsozialistische Ideologie in der Tat nicht sehr überzeugend porträtieren. Einige kurze bemerkenswerte Szenen bietet die Serie trotzdem, beispielsweise wenn Laras Lehrer zur Besuch kommt und sich im Laufe der Folge als Neonazi entpuppt, der den Vater zu überzeugen versucht, dass Lara lieber eine andere Schule besuchen soll. Auch wenn diese Szene weder realitätsnah noch besonders raffiniert konzipiert ist, so werden die Zuschauer zumindest damit konfrontiert, wie einfach sich der ‚gutgemeinte‘ Rassismus in den Alltag schleichen kann.

Bei all der inhaltlichen Kritik an der Serie darf man jedoch nicht vergessen, dass „Familie Braun“ vor der Herausforderung steht, nicht nur innerhalb von etwa fünf Minuten pro Folge schnell und eindeutig die Handlung zu inszenieren, sondern vor allem das junge Publikum, die eindeutige Zielgruppe der Produzenten, zufriedenstellen muss. Formate wie die Webserie „Familie Braun“, die sowohl im Fernsehen als auch im Internet rezipiert werden, sind daher als Ausdehnung des klassischen Fernsehangebotes zu verstehen: Auch wenn erzählerisch noch einige Punkte hätten besser gelöst werden können, ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass das öffentlich rechtliche Fernsehen nicht nur neue mediale Formen aufgreift, sondern auch kontroverse Themen bearbeitet, die im Kontext von deutschen Webserien ansonsten eher selten vorkommen.

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 8
Episodenlänge: ca. 3-7 Minuten
Zuerst gezeigt auf: YouTube / ZDF.de
Produktion: Polyphon im Auftrag von ZDF Quantum/Das kleine Fernsehspiel
Jahr: 2016
Genre: Komödie
Abrufbar unter: YouTube: Familie Braun

Sonstige Quellen

Frank, Arno (2016). „Papi ist Nazi - aber ein lieber.“ SPIEGEL Online.
Kunert, Heike (2016). „Familie Braun: Zu Hause bei der Führers.“ Zeit Online.
Jungen, Oliver (2016). „ZDF-Serie „Famile Braun“: Zwei Dumpfbacken und ein Findelkind.“ FAZ.
Denk, David (2016). „Familie Braun auf ZDF: Der Nazi und seine schwarze Tochter.“ Süddeutsche Zeitung
Heidböhmer, Carsten (2016). „ZDF-Serie „Famile Braun“: Mein Papi, der liebe Nazi-“ Stern
(Zugriff: 09.05.2017)

Maria Malzew, 09.05.2017

Courage

Handlung

Bei "Courage" handelt es sich um ein serielles Format der deutschen Wrestling-Liga 'German Wrestling Federation. Jede der ca. vierzigminütigen Folgen umfasst filmisches Material in Form der vor Publikum aufgezeichneten 'Ring-Kämpfe' sowie zusätzliche pseudo-authentische Sequenzen, die als Rahmenhandlung für diese 'Matches' inszeniert werden. Diese letztgenannten Einspieler dienen dazu, bestimmte Rivalitäten zwischen den Kämpfern zu beleuchten bzw. für das Publikum transparent zu machen. 

Anmerkungen


"Courage" ist nicht als Webserie im engeren Sinne zu klassifizieren: Die einzelnen Folgen umfassen eine Spieldauer von fast einer vollen Stunde, zudem ist die Handlung der Serie zwar 'fiktional', der Großteil einer jeden Folge besteht jedoch aus den live aufgezeichneten Kämpfen der Wrestler, diese Segmente sind am treffendsten als 'Sports-Entertainment' zu bezeichen.
Insbesondere die Einspieler zwischen den Kämpfen sind professionell produziert und können qualitativ (Kamera- und Schnitttechnik) durchaus mit vielen anderen deutschen Webserien mithalten. Die Überblendungen von faktualen Inhalten und gescripteten Inszenierungen beschränken sich dabei nicht nur auf die Kämpfe im Ring, sondern ergeben sich auch im Zusammenspiel mit der Rahmenhandlung: Im Stile eines Video-Blogs wird durch die letztgenannten Sequenzen von einzelnen Wrestlern berichtet und dabei auf verschiedene Authentizitäts-Marker, wie beispielsweise Handkameraeffekte, zurückgegriffen. Die Wrestlig-Serie ist dabei trotz des hohen Produktions-Niveaus  in erster Linie nur etwas für Fans der Sportart.


Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 6 (Stand: 20.01.2017, die Staffel wird derzeit fortgeführt)
Episodenlänge: ca. 40-120 Minuten
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Creator und Regie: German Wrestling Federation
Jahr: 2016-2017
Genre: Pseudo-Authentisch
Abrufbar unter:
https://www.youtube.com/playlist?list=PL7oUdQScYXSDHBhCUoWVAbwCOwpBmS0qa

Andreas Veits, 08.02.2016

Super Power Beat Down [ENG]


Handlung


In den ‚fiktionalen Universen‘ des Superhelden-Comics, des Fantasy- und des Science-Fiction-Films sind es die spezifischen, übersinnlich-metaphysischen Fertigkeiten, welche Protagonisten und Antagonisten – oftmals durch kriegerische Auseinandersetzungen – in ihrer jeweiligen Rolle exponieren und auf den Entwicklungsprozess der Geschichte Einfluss nehmen. Super Power Beat Down führt die legendären Helden und Antihelden verschiedener ‚Fiktionskosmen‘ (wie beispielsweise Darth Vader, Superman, Wolverine etc.) in einem neuen zusammen und lässt zwei von ihnen – Kraft ihrer jeweiligen Spezialfertigkeiten – in einer kriegerisch-offensiven Konfrontation gegeneinander antreten. Jeder Zweikampf wird von einer Moderation (Marisha Ray) und einem Faktencheck zu den betreffenden Figuren (Damian Beurer, Andy Liegl, vereinzelt weitere Experten der Medienbranche) gerahmt. So wird in Super Power Beat Down weniger eine episodenübergreifende Geschichte bzw. Handlung vermittelt, sondern einzelne Auseinandersetzungen zwischen fiktionalen Figuren der Populärkultur inszeniert.

Genre


Super Power Beat Down dezidiert einer Gattung und einem konkreten Genre zuzuordnen, würde der Webserie insofern nicht gerecht, als dass sich auf beiden Klassifikationsebenen Hybridformen abzeichnen: Das Kernelement der Serie, der ‚Showdown‘, ist als kurze Spielfilmsequenz realisiert, in welcher die zwei Legendenfiguren entsprechend ihren Charaktereigenschaften und Fähigkeiten die Kampfhandlung vorantreiben. Die Mise-en-Scène auf der einen Seite, die Kostümierung und der sprachliche Ausdruck der Figuren auf der anderen Seite, verweisen dabei mehr oder minder eindeutig auf jene Comic- und Filmwelten, aus denen die Figuren ursprünglich hervorgegangen sind (intermediale Bezüge). Hier wird in ebendieser Kombination zweier Figuren aus unterschiedlichen Medienkontexten ein eigener, von der vorfilmischen Realität abgekoppelter ‚Fiktionsraum‘ geschaffen. Wenn auch Science-Fiction-Elemente in den Spielfilmsequenzen dominieren (Figuren, Setting, Objekte etc.), zeichnet sich in den effektgeladen Kampfhandlungen vor allem Action und expressive Gewalt ab. Neben Überspitzungen, Ironisierungen und überraschenen Twists, sind die filmischen Sequenzen vereinzelt von karikierend-komödiantischen Impulsen geprägt. Die Spielfilmsequenzen bewegen sich folglich im genrehybriden Spannungsfeld zwischen Science-Fiction, Action und Komödie (vgl. z. B. Episode 4 und Episode 14).

Von der Inszenierung der ‚Kämpfe’ ist vor allem die rahmende Moderation und der ‚Faktencheck’ zu unterscheiden: Durch die gezielte Hinwendung der Moderatoren und Experten zum rezipierenden Publikum wird hier eine Kommunikationssituation etabliert, die eine dialogische Struktur zwischen innerbildlichen Kommunikatoren und extrabildlichen Adressaten suggeriert. Dabei sind die Kommunikatoren selbst Teil der vorfilmischen Realität und bauen durch die moderierend-debattierende Auseinandersetzung mit dem Kulturgut Comic und Film Verbindungslinien zu dieser auf. Die auf diese Weise geschaffene Authentizität findet sich mitunter auch durch den Bezug zu realexistierenden Schauplätzen, – wie dem Comic-Geschäft „Collectors Paradise“, welches in einigen Folgen als ‚Studio’ genutzt wird – wieder. Im Feld der Gattung folgt die Webserie hierbei eher einer dokumentierenden Logik, die durch die Verknüpfung von Moderation, Faktenpräsentation und anschließendem Wettkampf eine klare Nähe zum Format der TV-Show aufbaut (vgl. Wulff 2012). Vor dem Hintergrund, dass in Super Power Beat Down Faktuales und Fiktionales, Gattungen und Genres derart miteinander vermengt und ineinander überführt werden, ließe sich von einer Art Gattungs- und Genrehybrid sprechen.

Dramaturgie und narrative Struktur


Der Konvention einer TV-Show folgend, zeigt sich die Webserie einer linearen, sich in jeder Episode wiederholenden Aneinanderreihung einzelner ‚Attraktionen’/,Nummern‘ verpflichtet (vgl. Wulff 2012). Beginnen mit der einleitenden Anmoderation von Marisha Ray (1.), zählen Damian Beurer und Andy Liegl im Folgenden Pro- und Contra-Argumente für einen möglichen Gewinn einer der beiden, gegeneinander kämpfenden Charaktere auf (2.a). Meist ist dies durch grafische Inserts, die einzelnen Argumente auflistend, sowie Bildmaterial der Figuren aus Comic und Film unterstützt. Seit der siebten Episode wird dieser Faktencheck durch vorgeschaltete Meinungsinterviews mit Teilnehmern auf Comic- und Computerspielmessen ergänzt oder gar ersetzt (2.b). Charakteristisch für diesen Teil ist der gänzliche Ausschluss künstlicher Lichtquellen und Farbeffekten wie die durchgehende Aufnahme mit Handkameras.
Jede einzelne ‚Nummer‘ der Webserie ist durch ein Zwischenbild im Stile lautmalerischer Comicsprechblasen und einen klanglichen ‚Tusch‘ abgegrenzt. Hingegen wird der Wettkampf (3.) durch das Ausstrecken der geballten Faust von Moderation und Experten – gekoppelt an eine luminanzsteigernde, additive Überblendung – gewissermaßen aktivierend eingeleitet. Die Kampfsituation wird dabei in kräftigen Farben, fließenden Kamerabewegungen, phantastischen Figurationen und Settings dargestellt und dabei, von orchestral-heroischer Musik untermalt. Zusätzlich wird durch Textinserts, die zu Beginn die Namen der beiden Gegner am Bildschirmrand zeigen, an die Ästhetik von Zweikampf-Computerspielen, sogenannten Beat-em-up‘s (vgl. Decker 2005, 29 und 107) angeknüpft.

Zwar können die Rezipienten – anders als in derartigen Videospielen – keinen direkten Einfluss auf die Kampfhandlungen der Figuren nehmen, jedoch entscheiden sie über den finalen Sieger: Jede Episode von Super Power Beat Down schließt mit der Aufforderung an die Zuschauer, für den möglichen Gewinner der festgelegten Figurengegenüberstellung der nächsten Episode abzustimmen. Dem Mehrheitsprinzip folgend, gewinnt in der fiktionalen Spielfilmsequenz jeder Episode schließlich jene Figur, welche im Vorfeld die meisten Stimmen durch die Rezipienten erhalten hat. So kommt dem Publikum eine entscheidende Funktion zu: Es determiniert durch die Teilnahme am Abstimmungsverfahren interaktiv das Ziel bzw. den Sieger des Grundgeschehens (Showdown). Darüber hinaus ist es dem Publikum prinzipiell möglich, sich über das Kontaktfeld auf der Website oder über Facebook Figurengegenüberstellungen zu wünschen. Jede einzelne Episode der Webserie basiert insofern auf einem ‚Dialogverfahren‘ mit den Rezpierenden.

Zur interaktiven Rolle der Rezipienten trägt auch die Tatsache bei, dass die Experten bis zum Ende der Spielfilmsequenz den Anschein erwecken, selbst nicht über den Ausgang des Kampfes informiert zu sein. So bewerten die Experten allein auf Basis ihres generellen Comic- und Filmwissens vorab die gegeneinander antretenden Charaktere und debattieren über den möglichen Gewinner. Ein direkter Umschnitt markiert den Sprung von der actionreichen Spielfilmsequenz zurück in die Studio-Situation, sobald der Sieger aus der Sequenz hervorgegangen ist. Erst zu diesem Zeitpunkt wird das Ergebnis der Online-Abstimmung der Rezipienten durch eine Grafik im Comicstil bekanntgegeben (4.a). Mit einem Hinweis auf die vorhergehende und nachfolgende Episode (oft durch visuelle Sequenzausschnitte als Bild im Bild realisiert), der Aufforderung über die Website abzustimmen sowie der Bitte, die Webserie auf Facebook und YouTube zu ‚liken‘, endet die jeweilige Episode. In einzelnen Fällen ist allerdings eine prägnante, kurze Sequenz aus dem fiktionalen Showdown nachgeschaltet (5a), die meist komödiantischer-persiflierender Natur ist. Waren die Experten in den ersten Episoden noch verpflichtet, für ihre mögliche Fehlprognose des Kampfverlaufs durch Ausgleichshandlungen einzustehen (5.b) (vgl. beispielsweise das Ende von Episode 4), so hat sich seit der Episode 10 vielmehr die Verfügbarkeit eines alternativen Endes der fiktionalen Spielfilmsequenz etabliert. Dieses ist durch einen eingeblendeten Button am Ende des Wettkampfes abrufbar (4.b).

So sehr Super Power Beat Down einer linearen ‚Nummerndramaturgie‘ folgt – die sich in ihrem Spannungsgehalt durch den Vorbehalt der Informationen über den finalen Siegers potenziert –, so sehr sind die Rezipienten das ‚zentrale Integral‘ der narrativen Prozesse in der Webserie. Ebendiese Interaktivität, die Möglichkeit eben nicht allein über soziale Medien zu kommentieren, durch Links auf vorhergehende und folgende Episoden zuzugreifen und sich per E-Mail an die Produzenten wenden zu können, sondern mittels Abstimmungsverfahren den Sieger zweier, wettstreitenden Comic- und Filmlegende mit zu bestimmen und ggf. über ein alternatives Sequenzende gar ‚heraufbeschwören‘ zu können, genau dies macht den Charme von Super Power Beat Down aus.

Rezeption


Super Power Beat Down wird seit 2012 von Bat in the Sun (Aaron und Sean Schoenke) und Machinima produziert und exklusiv über YouTube verbreitet. Die einzelnen Episoden zählen auf YouTube zwischen einer und vier Millionen ‚Klicks‘, der Kanal von Bat in the Sun selbst ist von rund einer Millionen YouTube Nutzern abonniert. Neuigkeiten von und über die laufende Produktion werden mittels Twitter-Account und Facebook der Öffentlichkeit nahegebracht, wobei vor allem via Facebook Bild- und Videomaterial von der Arbeit hinter den Kulissen präsentiert wird. Die sozialen Netzwerke bilden einen gewissen Rahmen, welcher die auf YouTube veröffentlichen Episoden kontextualisiert. Diese Strategie erinnert an bekannte TV-Sender, die ihren Zuschauern im Netz zusätzlich Inhalte zu ihren Lieblingsfernsehsendungen anbieten. Ein solch standardisiertes Prinzip schafft zwar Orientierung und Vertrauen in Nutzung und Rezeption, doch bleibt abzuwarten, ob sich dieser Ansatz – auch vor dem Hintergrund der linearen Nummerndramaturgie der Webserie – nicht erschöpfen wird.

Angaben


Staffeln: 1
Episoden: 16
Episodenlänge: 4 – 16 min. [Ø 9:10 min.]
Erscheinungsrhythmus: monatlich
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Regie: Aaron Schoenke
Produktion: Bat in the Sun / Machinima Productions
Jahr: 2012 – 2014
Genre: Sciene-Fiction, Action, Comedy
Abrufbar unter:
Super Power Beat Down (YouTube) https://www.youtube.com/playlist?list=PL6F730F85FA7C34C2
(Zugriff: 12.07.2015)
Sonstige Quellen:
Super Power Beat Down (Website)
Super Power Beat Down (Facebook)
Bat in the Sun (Twitter)

Sekundärliteratur:

Decker, Markus (2005): Jugendschutz und neue Medien. Grundfragen des Ju-
gendmedienschutzes in den Bereichen Bildschirmspiele und Internet. Münster:
Waxmann.

Kuhn, Markus (2011): Filmnarratologie. Ein erzähltheoretisches Analysemodell. Berlin: De Gruyter.
Wulff, Hans-Jürgen (2012): „Show“ In: Hans-Jürgen Wulff (Hg.): Lexikon der Filmbegriffe. Kiel: Chrisitan-Albrechts-Universität zu Kiel, online verfügbar unter http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon. (Zugriff: 13.07.2015).

Jurij Abegg,

Fett und Fett

Handlung

„Fett und Fett“ zeigt das Leben eines Endzwanzigers, der von einem Missgeschick in das nächste stolpert und laut eigener Aussage an einem Punkt angekommen ist, an dem nur vier Sachen Spaß machen: „Essen, Frauen, Geld und Saufen. Aber Frauen und Geld sind schwierig, also wirst du fett und besoffen“, erzählt Jaksch am Anfang der ersten Episode – und lässt sich deswegen einfach durch das Leben treiben.

Anmerkung

Der Süddeutschen Zeitung verraten die Kreativen hinter dem Konzept, die Filmstudenten Chiara Grabmayr und Jakob Schreier, dass sie ohne Skript drehen und stattdessen auf Laiendarsteller und Improvisation setzen. Tatsächlich lebt diese Webserie von der Ungezwungenheit des Protagonisten und der Leichtigkeit der gezeigten Alltagsimpressionen, die zwar an manchen Stellen erzählerisch und technisch ausgereifter sein könnten, jedoch die Vertreter der Y-Generation insgesamt unverhüllt und glaubhaft porträtieren.

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 4 (Stand: 20.01.2017, die Staffel wird derzeit fortgeführt)
Episodenlänge: ca. 10-18 Minuten
Zuerst gezeigt auf: vimeo.com
Creator und Regie: Chiara Grabmayr und Jakob Schreier
Jahr: 2016-2017
Genre: Comedy
Abrufbar unter: https://vimeo.com/fettundfett

Sonstige Quellen

Süddeutsche Zeitung
(Zugriff: 20.01.2017)


Maria Malzew, 20.01.2017

Emmas Welt

Handlung

Nachdem Emma ihren Verlobten mit einer anderen erwischt, muss sie nicht nur aus seiner Wohnung ausziehen, sondern auch ihren Job kündigen, denn blöderweise ist der Exfreund auch gleichzeitig ihr Boss. Durch eine Anzeige landet sie in der WG von ihrem Jugendschwarm Tom und wird prompt zu seiner Mitbewohnerin. Im weiteren Verlauf der Serie versucht sie, unterstützt von ihrer besten Freundin Julia, nicht nur ihr Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, sondern auch eine neue Liebe zu finden.

Anmerkung

„Emmas Welt“ ist eine genretypische romantische Komödie mit einer weiblichen Protagonistin, die ein wenig an Bridget Jones erinnert. Emma ist ebenfalls ein wenig übergewichtig, tollpatschig und chaotisch, mehr auf ihr Liebesleben als auf die Karriere fokussiert. Ähnlich wie in Hollywoodfilmen eines solchen Genres setzten die Produzenten auf Emma als Identifikationsfigur, deren Unperfektheit sie in den Augen von überwiegend weiblichen Rezipienten umso liebenswerter machen soll. Tatsächlich wirkt Emma, gespielt und entwickelt von Nicole Fornoff, trotz der vielen Slapstick-Momente der Webserie in Bezug auf ihre Gefühle und Sehnsüchte durchaus authentisch. In der Tradition des Genres sind auch die beiden anderen Figuren inszeniert, deren Handlungen stets auf bewahrte Muster der romantischen Komödie zurückgreifen: Tom als gut aussehender, aber auch einfühlsamer, Macho – und als potenzieller ‚love interest‘ von Emma; Julia als beste Freundin und Emmas ‚Sidekick‘.

Dass die Macher der Serie sich jedoch an die Konventionen des Genres halten, kann der Webserie nicht wirklich vorgeworfen werden. Schließlich sind es grundsätzlich die meisten modernen Liebeskomödien, auch auf der ‚großen‘ Kinoleinwand, die immer wieder auf die gleiche Formel und klischeehafte Situationen setzen. In einem Format der Webserie funktioniert die Mischung aus Slapstick und Romantic Comedy trotzdem dadurch, dass die Folgen kurzweilig und unterhaltsam sind.

Während die Produzenten mit der 1. Staffel durch unterschiedliche Webserien-Festivals touren und nach Sponsoren suchen, ist es zunächst noch offen, ob es eine zweite Staffel wirklich geben wird.

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 6
Episodenlänge: ca. 4-8 Minuten
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Produktion: nerdbird film
Jahr: 2014
Genre: Romantic Comedy
Abrufbar unter: https://www.youtube.com/user/serieemmaswelt

Sonstige Quellen

Emmas Welt Facebookseite (Zugriff: 24.10.2016)


Maria Malzew, 12.12.2016

Deliver me to Hell [NZ]


Handlung


Die Produktion besteht aus insgesamt sechs Episoden, die eine zusammenhängende Handlung ergeben und wurde von einer neuseeländischen Pizza-Firma als Werbemittel in Auftrag gegeben. Deliver me to Hell erzählt dabei vom zuverlässigsten Arbeitnehmer des Unternehmens, dem Pizzalieferanten Steve, der sich selbst von einer ausbrechenden Zombie Apokalypse nicht abhalten lässt, seine Waren auszufahren. Auf dem Weg zu seinen Kundinnen stellen sich Steve durch die menschenfressenden Untoten verschiedene Hindernisse in den Weg. Inhaltlich bietet die Webserie viel Konventionelles, die Handlung ist im Genre der Splatter-Comedy zu verorten. Der Clou der Webserie, die im Internet auch als „Interactive Adventure“ beworben wurde, sind Entscheidungssequenzen, welche die Entwicklung der weiteren Geschichte jeder Folge beeinflussen. Durch das Annotationssystem von YouTube wird in jeder Folge eine bestimmte Eingabe vom User abgefordert, die darüber verfügt, wie Protagonist Steve sich in einer meist lebensbedrohlichen Situation verhalten soll.

Anmerkungen


Im Folgenden wird eine kurze Beschreibung einer Einzelfolge von Deliver Me to Hell gegeben, um darauf aufbauend genauer auf das interaktive Potential der Webserie einzugehen. In der zweiten Episode gelangt Steve mit einem weiteren Überlebenden (Jason) in eine abgelegene Bowling-Bahn und wird von Untoten überrascht. Jason wird von einem Zombie angefallen und kann sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Die Kamera zeigt zum Ende der Folge zuerst eine Nahaufnahme von Steve, der sich mit einem Stuhl bewaffnet hat, um seinem Freund zu helfen. Danach sieht man eine weitere Aufnahme von Jason, wie er sich mit letzter Kraft die angreifenden Zombies vom Leib hält und Steve dazu auffordert, eine der Bowlingkugeln als Schlagwerkzeug einzusetzen, um die Untoten in die Flucht zu schlagen. Danach wird ein Standbild gezeigt, in dessen Mittelpunkt zwei voneinander separierte Texttafeln mit den Worten „USE BOWLINGBALL“ und „USE THE CHAIR“ zu sehen sind. Gleichzeitig ertönt aus dem Off eine Stimme, die die Userinnen auffordert, durch das Anklicken einer der Texttafeln die Aktion auszuwählen, die Steve dann in der Handlung der fiktiven Welt ausführen soll. Nach der Entscheidung wird automatisch auf ein neues Video verlinkt, das die entsprechende Handlung mitsamt den sich aus der getroffenen Auswahl ergebenen Konsequenzen vermittelt. Die Wahlmöglichkeiten sind also relativ eingeschränkt und konzentrieren sich auf die Selektion an einer Einzelstelle der Handlung. Zudem ist die Webserie derart aufgebaut, dass nur eine der Auswahlmöglichkeiten zu einer (langfristigen) Fortsetzung der Erzählung führt. Entscheidet man sich beispielsweise in der oben erwähnten Sequenz dazu, die Texttafel „USE BOWLINGBALL“ anzuklicken, wird man auf ein Video weitergeleitet, das zeigt, wie Jason versehentlich von Steve mit dem Sportgerät am Kopf getroffen wird und schließlich beide von den Zombies gefressen werden. Am Ende dieses Clips wird dann eine Rückblende eingesetzt, die im Schnelldurchlauf die Handlung des Videos rückwärtslaufen lässt und dann wieder mit den Auswahlmöglichkeiten der vorherigen Folge endet. Nach jeder ‚falschen Entscheidung‘ bricht die Handlung der Webserie also nicht ab, sondern die Userinnen werden aufgefordert, ihre Auswahl zu korrigieren, um Steve so vor dem Ableben zu bewahren. Die Webserie operiert somit zwar mit dichotomen Entscheidungssequenzen, es wird durch die audiovisuelle Vermittlung sowie durch die Hypertext-Struktur jedoch eine spezifische feststehende Erzählung kommuniziert, die durch die Userinnen durch ein Trial-and-Error-Verfahren ‚entdeckt’ werden muss. Somit handelt es sich bei Deliver me to Hell um eine Webserie mit einem eher gering ausgeprägten interaktiven Potential, weil die Entscheidungen graduell wenig Einfluss auf die erzählte Welt der Webserie haben.

Angaben


Staffeln: 1
Episoden: 6
Episodenlänge: min. 3 - 4
Erscheinungsrhythmus: Unregelmäßig
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Produktion: HellPizzaNZ
Jahr: 2011
Genre: Interaktiv, Comedy, Horror,
Abrufbar unter:
https://www.youtube.com/watch?v=9p1yBlV7Ges (Zugriff: 21.11.2016)
Sonstige Quellen:
http://theinspirationroom.com/daily/2010/hell-pizza-zombie-adventure-deliver-me-to-hell/ (Zugriff am 31.03.2016)

Sekundärliteratur:

Andreas Veits. “Telltale Games Series. Zum Verhältnis von seriellen Computerspielen und interaktiven Webserien”, in: C. Benthien/G. Klein (Hgg.): Übersetzen und Rahmen. Praktiken medialer Transformationen, München: Fink 2017 (im Druck).

Andreas Veits, 21.11.2016
(Dieser Blogeintrag basiert weitgehend auf wissenschaftlichen Arbeiten von Andreas Veits, die unter dem Punkt 'Sekundärliteratur' verzeichnet sind.)

Artistically Challenged

Handlung

In dieser Webserie wird die Geschichte eines erfolglosen Künstlers Nick erzählt, dessen Bild über Nacht berühmt wird. Blöderweise hat Nick das Bild gar nicht selbst gemalt, sondern auf einem Flohmarkt gekauft und seinem Manager aus Frust erzählt, dass es sich dabei um sein neuestes Werk handelt. Die New Yorker Kunstszene hält ihn nun aber für einen Genie – und weil er die Anerkennung und die damit verbundenen finanziellen Vorteile nicht verlieren möchte, darf seine ‚kleine Lüge‘ auf keinen Fall auffliegen.

Anmerkung


„Artistically Challenged“, die ausschließlich über Instagram veröffentlicht wurde, gehört mit ihren 32 Folgen wohl zu den kürzesten Webserien überhaupt: Eine Episode der Serie ist nämlich nur 15 Sekunden lang und die gesamte erste Staffel weist damit die Gesamtlänge von 8 Minuten auf. Mit diesem ungewöhnlichen Format versuchen die Produzenten, eine Gruppe Filmschaffender aus New York, die Möglichkeiten und Grenzen von Instagram, einer Kommunikationsplattform zum Austausch von privaten Fotos und Videos, auszutesten. Ein hoher Produktionsaufwand hinter dem Bild, Ton und der schauspielerischen Leistung der Webserie ist deutlich zu spüren – tatsächlich sind in das Projekt insgesamt 25 Crewmitglieder und 30 Schauspieler involviert.

Grundsätzlich kann man beobachten, dass immer mehr Kreative aus der Film- und Medienbranche Portale wie Snapchat, Instagram und Vine als Distributionsweg für audiovisuelle Erzählungen entdecken, insbesondere nachdem die Anbieter Videofunktionen in ihre Software implementiert haben. Gerade im Bereich des Marketings benutzt man schon länger eine solche direkte Kommunikation mit Nutzern, um sie zu unterhalten und gleichzeitig emotional an die Marke zu binden. Dass diese Strategie durchaus funktionieren kann, zeigen Firmen wie beispielsweise Ikea, Ben&Jerry‘s oder Reebok mit ihren Videoanzeigen. Doch im Gegensatz zu kurzen Marketingclips besteht bei einer (web-)seriellen Erzählung die Schwierigkeit in erster Linie darin, innerhalb kürzester Zeit die Charaktere zu etablieren und die Handlung voranzutreiben. Die ungewöhnlich kurze Dauer der Folgen bedeutet gleichzeitig, dass jede gezeigte Sekunde für die Erzählung wichtig sein muss.

„Artistically Challenged“ ist dabei eins der besseren Beispiele, denn trotz dieser Einschränkung ist die Serie technisch und inhaltlich überzeugend. Innerhalb einer Folge werden nur sehr wenige Figuren und Szenenwechsel gezeigt; eine Episode beschränkt sich in der Regel auf einen einzelnen kurzen Handlungsbogen, manchmal sogar auf eine einzige Unterhaltung (wie beispielsweise in der Episode 18), sodass die Aufmerksamkeit des Zuschauers dabei auf ein einziges Ereignis fokussiert wird. Zwischen einzelnen Folgen (und entsprechend auch Ereignissen), die in einigen Fällen fast nahtlos aneinandergereiht werden, wird auch mal ein kleiner Zeitsprung (wie etwa zwischen den Episoden 6 und 7) gemacht, sodass der Zuschauer die kleinen Handlungslücken selbst zu Ende denken muss. Außerdem ist die Serie locker und ironisch erzählt und funktioniert vermutlich gerade deswegen sehr gut im Rahmen einer Plattform wie Instagram.

Abschließend bleibt anzumerken, dass trotz dieses gelungenen Beispiels nicht jede Geschichte – und mit Sicherheit auch nicht jedes Genre – in einem Kurzformat umgesetzt werden kann oder sollte. Im Vergleich zu regulären Webserien, die auf YouTube oder Vimeo veröffentlicht werden, müssen solche Konzepte wie „Artistically Challenged“ ihre Botschaft viel klarer und kurzweiliger kommunizieren, um den Nutzer innerhalb nur weniger Sekunden für sich zu gewinnen. Ob ultrakurze Webserien es tatsächlich schaffen, nachhaltig zu einem festen Bestandteil von sozialen Netzwerken zu werden, oder inwiefern es sich nur um einen kurzzeitigen Trend handelt, bleibt abzuwarten.

Angaben


Staffeln: 1
Episoden: 32
Episodenlänge: ca. 15 Sekunden
Zuerst gezeigt: Über die Smartphone-App Instagram
Produktionsteam: Aleks Arcabascio, Jeremy Boros, Michael Deigh
Jahr: 2014
Genre: Comedy
Abrufbar unter: www.actheseries.com (Zugriff: 17.10.2016)

Maria Malzew, 14.11.2016